1/11/2011 [Musikinstrumente]
Ungebrochene Begeisterung und weitere Expansion

Übergabe des Sonderpreises für die Nachwuchsarbeit: eine Yamaha Bassklarinette an den Musikverein Balingen
Mehr als 30 Ensembles und Blasorchester, über 1500 Musikerinnen und Musiker, zahlreiche hochkarätige Workshops, ein phänomenales Rahmenprogramm – und ein Wettbewerb auf hohem Niveau und mit teilweise spannendem Ausgang. Das war die Bw-Musix 2011, die in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal stattfand, die drei jüngsten Jugendblasorchesterwettbewerbe fanden in Balingen im baden-württembergischen Zollernalbkreis statt.
Hat eine Veranstaltung sechs Mal stattgefunden, kann man wohl mittlerweile von Tradition sprechen. 2003 hatte die erste Bw-Musix stattgefunden, und obwohl die damalige Veranstaltung nicht mehr viel mit der heutigen zu tun hat, kann man sie als Startschuss bezeichnen. Die eigentliche Erfolgsgeschichte des Jugendblasorchesterwettbewerbs beginnt 2007, als der Militärmusikdienst der Bundeswehr mit der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände im Rahmen des Deutschen Musikfests in Würzburg kooperierte. Zwölf Orchester nahmen damals teil. In Friedrichshafen – als Rahmenprogramm der dortigen Musikmesse My Music – waren es 2008 schon 23. In Balingen sind es 2011 insgesamt 32 teilnehmende Klangkörper. Mit der Stadt Balingen hat das Veranstalterteam vom Jugendmarketing und Militärmusikdienst der Bundeswehr, der Firma Yamaha und dem Blasmusikkreisverband Zollernalb eine Heimat gefunden.
Und obwohl im Vorfeld jeglichem Expansionsgedanken ein vorsichtiger Riegel vorgeschoben wurde, wächst die Bw-Musix weiter. In diesem Jahr waren zum ersten Mal Bläserklassen eingeladen, sich im musikalischen Wettstreit zu messen. „Das gibt es bundesweit noch nicht“, weiß Hauptmann Johannes Langendorf zu berichten. „In Balingen können die kleinsten Blasmusiker auch einmal Wettbewerbsluft schnuppern. Bisher kennen die Musiker und deren Lehrer ja oft nur das Klassenzimmer.“ Und es war spannend, zu erleben, wie die Kinder zuerst aufgeregt die große Bühne bestiegen um dann den Auftritt doch recht souverän zu meistern. Gewonnen hat dann sogar eine Bläserklasse, die die größte Atemluftveränderung sprich den weitesten Weg auf sich nahm. In der Kategorie 1 gewann die Bläserklasse 6a des Andreas-Vesalius-Gymnasiums in Wesel. In der Kategorie 2 der Bläserklassen siegten die Bläser Kids 6 der Karl-Keßler-Realschule Aalen.
Herzstück des Wettbewerbs ist der Jugendblasorchesterwettbewerb. Und der Stellvertretende Leiter des Militärmusikdienstes Christoph Scheibling freute sich auch über viele Erstteilnehmer. Denn das zeige, dass der Wettbewerb nicht nur ein Treffen von alten Bekannten sei. Allerdings freue er sich genauso über bekannte Gesichter, räumte er ein. Neu im Wettbewerbsprogramm war zudem die Kategorie 2, was auch eine logische Folge der Einführung des Bläserklassenwettbewerbs ist. So schafft man rein niveautechnisch eine lückenlose Veranstaltung.
In den zehn Bereichen Intonation, Rhythmik und Zusammenspiel, technische Ausführung, Dynamik und Klangausgleich, Klangqualität, Phrasierung und Artikulation, Tempo und Agogik, Stückwahl im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit, Stilempfinden und Interpretation sowie Gesamteindruck mussten sich alle teilnehmenden Orchester der strengen Jury unter dem Vorsitz von Oberstleutnant Michael Euler stellen. Und der Chef des Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr in Hilden war nach vier Tagen Jury-Tätigkeit voll des Lobes ob der gehörten und gezeigten Leistungen. Doch nicht nur das: „Es ist vor allem beeindruckend, mit welchem Engagement, Eifer und welcher Begeisterung die Jugendlichen mit Musik beschäftigen.“ Gerade im heutigen multimedialen Zeitalter sei die zeitintensive Beschäftigung mit Musik nicht selbstverständlich. An seiner Seite bewerteten Hauptmann Matthias Prock, 2. Musikoffizier beim Stabsmusikkorps Berlin, Hauptmann Timor Chadik, Chef des Luftwaffenmusikkorps 3 Münster und Kapitänleutnant Tobias Terhardt, ebenfalls 2. Musikoffizier des Marinemusikkorps Wilhelmshaven Nordsee die Vorträge. „Eine harte, aber wirklich sehr schöne Arbeit“, wie der Juryvorsitzende am Ende resümierte.
Natürlich, räumte Euler ein, gebe es viele unterschiedliche Leistungen. Und ein Wettbewerb bringe es eben mit sich, dass manche Orchester gewönnen – und manche eben nicht. Und dennoch konnten alle teilnehmenden Klangkörper etwas mit nach Hause nehmen, was letztendlich alle zu Gewinnern machte. Denn neben den Preisen im Gesamtwert von 20000 Euro – bereitgestellt vom Jugendmarketing der Bundeswehr und der Firma Yamaha – gab es wertvolle Tipps von Profis. Ein wesentlicher Bestandteil der Bw-Musix ist nämlich das Orchestergespräch, in dem den Dirigenten und Musikern die Quintessenz der Jurybeurteilung mitgeteilt wird. Es werden Schwächen angesprochen und Lösungsansätze vorgeschlagen.
Alle Siegerorchester haben darüber hinaus die Möglichkeit, Aktionstage mit den Musikkorps der Bundeswehr zu gewinnen. Probentage, Hilfestellungen beim Einstudieren von Konzertprogrammen oder Gemeinschaftskonzerte sind möglich. Der Yamaha-Musikinstrumentenpreis für die kreativste und ideenreichste Jung- und Nachwuchsmusikerförderung wurde in diesem Jahr an den Musikverein Balingen vergeben.
Die höchste Punktzahl des Wochenendes wurde vom Jugendorchester Binsdorf-Sulzbach-Villingendorf in der Kategorie 4 erreicht. Nach der Darbietung von Bert Appermonts „Jericho“ und „Les Papillons Suite de Ballet“ (Lankester, Coby, de Meij) stand die einsdrucksvolle Punktzahl 99,50. Überaus spannend war es dann in der Kategorie 5, in der sich dann schließlich wiederholt das Jugendblasorchester Marktoberdorf unter der Leitung von Thomas Wieser gegen das Verbandsjugendblasorchester Neckar-Alb unter der Leitung von Arno Herrmann durchsetzen konnte. Einen hauchdünnen Vorsprung von 1,25 Punkten konnten die Bayern ins Ziel retten.
Großartig angenommen wurden zudem auch die zahlreichen Workshops, die gemeinsam von Musikern aus diversen Musikkorps und Yamaha-Künstlern gestaltet wurden. Mächtig aufgefahren hatten die Verantwortlichen zudem im Rahmenprogramm. Denn der Konzertteil wurde stark erweitert. Yamaha Artists and Friends – mit Thorsten Skringer, Rüdiger Baldauf und Jürgen Neudert–, eine Musikerparty mit DJ sowie ein hochkarätiges Konzert der Bigband der Bundeswehr standen auf dem proppevollen Programm. Zur Siegerehrung spielte zudem das Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim – verstärkt durch herausragende Instrumentalisten der Teilnehmerorchester - auf.
Trotz der demnächst anstehenden Sparmaßnahmen, die die Bundeswehr in vielen Teilen treffen werden, ist die Veranstaltung der nächsten Bw-Musix gesichert. Sogar der Termin steht bereits fest: vom 18. bis 21. Oktober 2012 wird Balingen wieder das Epizentrum der Blasmusik werden. Und nachdem 2011 die Bläserklassen eingeladen wurden, setzen die Veranstalter dann sogar noch einen drauf: Auch Jugendbigbands können sich auf einen Wettbewerb freuen.
Von Klaus Härtel
