2/12/2011 [Musikinstrumente]
Am 18. und 19. Oktober 2011fand in München die Uraufführung der musikalischen Theaterperformance statt. Gespielt wurde auf einem CFX.
Glenn Gould ist eine Legende. Jeder will ihn hören. Als 25-Jähriger verkündet er, mit 30 keine Konzerte mehr zu geben. Tatsächlich macht er diesen unerhörten Schritt. Seinem Publikum schenkt er eine riesige Diskographie. 2012 ist das Jahr seines 80. Geburtstags und zugleich seines 30. Todestags.
„Glenn Gould vs. Glenn Gould“
Was diese Aufführung anstrebt, hätte Glenn Gould verabscheut: ihn, den Eremiten, den einsamen „Spinner“ dem Publikum näher bringen, ihn aus seiner selbstgewählten Einöde entführen und dem Publikum „auszuliefern“. Welch ein Horror!
Er war ein Zerrissener, denn was die Welt von ihm wollte, das wollte er nicht: er wurde ungewollt Legende, Popstar oder wie man sagte, der „James Dean der klassischen Musik“. Er wollte nicht berührt werden, kein Publikum im Saal, kein Händedruck, von wem auch immer.
Glenn Gould wollte in seiner Introvertiertheit leben. Er liebte die menschenleere Weite Kanadas.
Der Norden war ihm nicht nur eine stille, fordernde Gegend; er war ihm eine Geisteshaltung.
In der Garnisonsmentalität des Torontos seiner Kindheit, einer britischen Stadt, in einer britischen Provinz, weit draußen im britischen Empire, wurde er zum „letzten Puritaner“.
Aber der lautstarke Musikbetrieb zerrte ständig in eine andere Richtung: Konzerte, Pressekonferenzen, Wettbewerbe, Marketing für Geld und Gold. Das Publikum verfolgt ihn mit ewig gleichen Programmwünschen. Das Studio wurde seine Barriere, hinter der seine Zerbrechlichkeit Schutz suchte. Hier erforschte er, hier erlebte er seine Musik – mit den technischen Möglichkeiten seiner Zeit. Seine Liebe gehörte nur der Musik und dem Streben nach Reinheit mit Perfektion.
Glenn Gould lebte das klassische Dilemma zwischen Nähe und Distanz. Und er folgte kompromisslos seiner Neigung. Die autistische Attitüde seines Auftretens war auch Tarnung: er suchte in Allem das Selbe: Sicherheit, Liebe, Heimat, Schönheit.
Die Performance „Glenn Gould vs. Glenn Gould“ ist also das fast aussichtslose Unternehmen, diesen leidenschaftlichen Eremiten und so abweisenden, verrückten Liebhaber für einige Augenblicke ins Licht zu stellen, Verständnis zu schaffen und Einblick in sein hochkomplexes Rebellentum.

